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SPUREN

Intermediales Kunstprojekt

"Kunst hat vor allem mit Fragen zu tun. Und wie die Geschichte der Menschheit stellt auch die Kunstgeschichte, von vorgeschichtlichen Stätten bis zu den Pyramiden, von der sakralen bis zur modernen Kunst, einen riesigen Fragenkomplex dar, der uns besser über die Vergangenheit informiert als jede eindeutige "Antwort". Es ist die Qualität der Fragen, die die Vielfalt und Gültigkeit der Kunstgeschichte ausmacht."
(Hervé Perdriolle, Dialog: Richard Long, Jevya S. Mashe)

Idee/Konzeption/Video/Erarbeitung: Willehad Grafenhorst, Fine Kwiatkowski

mit
Isabelle Lé (HU-Budapest), Fine Kwiatkowski: Tanz
Willehad Grafenhorst, Reinhart Hammerschmidt,
Charlotte Hug (CH-Zürich): Musik

Im Mittelpunkt des intermedialen Projekts „SPUREN“ steht die Auseinandersetzung mit Zeichen und Symbolen als Universalwissen, als Manifestation von Kultur. Sie begegnen uns in der Architektur, in der Natur, als Schatten, als Linien menschlicher Körper. Sie verdichten Information, sind Zeugnisse gegenwärtiger und vergangener Kulturen, belegen die Vergänglichkeit der Macht und die Unvergänglichkeit der Idee.

Aus der Beschäftigung mit Zeichen und Symbolen, dem Bestreben, die komprimierte Botschaft auf den Tanz zu übertragen, entwickelte Fine Kwiatkowski, in Zusammenarbeit mit dem Musiker, Sozialwissenschaftler und Programmierer Willehad Grafenhorst, mit „Körperklanglandschaften“ eine nur auf den Rücken konzentrierte, stark reduzierte Arbeit. Nach erfolgreichen Aufführungen entstand die Idee, aus der Fülle an Material, die aus der Arbeit mit Zeichen und Symbolen resultierte, ein Forschungsprojekt zu entwickeln, welches 2003 mit dem Stück „gezeichnet“ seinen Anfang nahm und mit „SPUREN“ weitergeführt werden soll.

Der gesamte Themenkomplex umfasst den Versuch, aus der Rückbesinnung auf archaische Verständigungsebenen (Tanz, Klänge, Geräusche, Zeichen, Symbole...) und deren kultureller Herkunft, diese mit den heutigen künstlerischen Ausdrucksformen zu verbinden, mit modernen Informationstechnologien neue Kommunikationsmöglichkeiten zu kreieren, die Sicht des Zuschauers durch neue Perspektiven zu erweitern.

In der Kombination von Neuen Medien, bildnerischen und darstellenden Elementen werden Raum und Zeit qualitativ verbunden. Durch den Tanz entstehen aus starren Projektionen neue Zeichen, Tanzsequenzen werden durch Schichtung des digitalen Abbildes zu Symbolen verdichtet, Videosequenzen von getanzten Sandbildern relativieren die Flüchtigkeit. Bereits gespielte musikalische Passagen werden, ausgelöst durch die Bewegungen der Tänzerinnen, in verfremdeter Form reproduziert, die Zeitstruktur der Komposition wird durch Bewegung gebrochen.

Wir leben im Jetzt, erfahren aber unbewusst auf allen Ebenen die Verbindung zum Ursprung unseres Seins. In Tausenden von Jahren hat sich die Kultur auf bildnerischer, musikalischer, sprachlicher, technischer Ebene immer weiter entwickelt, sich verändert, dabei aber nie die Verbindung zum Ursprung verloren, unser Unterbewusstsein erhält uns dieses Wissen. Dieses Wissen wieder in unserem Bewusstsein zu verankern, ist ein Ziel dieses Projekts.

Sich mit der eigenen Kultur, ihrem Ursprung, ihrer Geschichte zu beschäftigen, bringt unweigerlich die Frage mit sich, wer ist der Mensch neben mir, in welcher Kultur lebt dieser Mensch? Zeichen und Symbole deuten auf Parallelen in der Entwicklung unterschiedlichster Kulturen hin, aus dem Wissen um den gemeinsamen Ursprung resultiert Respekt vor dem Reichtum, der Eigenständigkeit des Fremden.

 

Premiere: 15.07.2005 in der theatrale, Halle/S.

in Zusammenarbeit mit dem rhizom e.V. und
gefördert durch die LOTTO TOTO GmbH des Landes Sachsen-Anhalt

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RHIZOM TanzPerformanceTheater Fine Kwiatkowski